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Das Vogelmuseum im alten Findorff-Haus

Geschichte

Bauliche Keimzelle der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck ist das hellgraue Findorffhaus. Der Moorkommissar Jürgen Christian Findorff (1720-1792) erweiterte 1753 das ehemalige Amtshaus des Klostervogts, der Verwalter des alten Osterholzer Klosters.

Findorffs maßgebliche und für diese Region entscheidende Leistung bestand in der Vermessung und Kolonisierung des Teufelsmoores. Erst durch diese Massnahmen wurde die oft unter Wasser stehende Moor- und Wiesenlandschaft für die Landwirtschaft erschlossen.

Ab 1960 befindet sich die Ausstellung des „Heimat- und Museumsvereins Osterholz” in dem Haus. Seit 1973 als Ornithologische Abteilung des Heimatmuseums eröffnet, hat sich die ehemals private Sammlung Dr. Walther Baumeister kontinuierlich erweitert und wuchs in mehreren Anbauten auf eine Ausstellungsfläche von über 800 Quadratmetern. Das heutige Norddeutsche Vogelmuseum ist heute eins von vier Museen auf dem weitläufigen Arreal im alten Osterholzer Dorfkern. (tw/kstftg)

 

Geschichte erleben in der Museumsanlage Osterholz

Zur Museumsanlage gehören heute neben dem Findorffhaus ein niedersächsisches Bauernhaus und eine Hofscheune, in dem sich das Mitmachmuseum befindet. Weiterhin zählen eine Flechtwerkscheune mit bäuerlichem Gerät, eine Backhaus, ein Göpelwerk, Mühlsteine, ein Ziehbrunnen und ein Bienenschauer zum Ensemble.

In dem Findorffhaus, das weitgehend dem Stil eines barocken Patrizierhauses entspricht, befinden sich neben dem Vogelmuseum verschiedene Schauräume. In ihnen spiegelt sich die bürgerliche Wohnkultur und die Industriegeschichte der Region wider. Charakteristische gewerbliche Zweige, wie die Tuchmacherzunft, die Stellmacher, Stielmacher, Seiler, Imker, Reepschläger und die Zimmerleute werden anschaulich vorgestellt. Es gibt eine Zigarrenmacher- und eine Schuhmacherwerkstatt. Ein anderer Schwerpunkt ist die Ur- und Frühgeschichte. Hier werden Geräte und Waffen der steinzeitlichen Nomaden und bedeutende Urnenfunde gezeigt. Ein besonderes Kleinod sind die Elfenbeinschnitzereien von Stendorf aus dem 3. Jahrhundert.

Das reetgedeckte Rauchhaus von 1701 wurde 1978 auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut und verdeutlicht mit seiner reichen Sammlung an Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen die Lebensweise der bäuerlichen Bevölkerung. In der Diele mit Stallungen und Flett und dem kleinen Wohnbereich (Dönz) mit Stube und Kammer wird das Leben von Mensch und Tier unter einem Dach – über 200 Jahre charakteristisch für die Bauern im Teufelsmoor – wieder lebendig.

Etwas ausserhalb des Geländes befindet sich eine große Hofscheune – das Museum für Schiffahrt und Torffabbau. Kernstück des Museums ist eine zwanzig Meter lange Schute. 1984 aus einem Moorkanal geborgen, wurde das Schiff danach über lange Jahre in einem großen Tauchbecken konserviert. Daneben sind weitere Boots- und Schiffstypen zu sehen, die über lange Zeit den Torf, den einzigen „Bodenschatz” der Region, nach Bremen und das Umland zu bringen. (kstftg)

Weitere Informationen zur Museumsanlage finden sie unter

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Der Museumsgründer
Dr. Walther Baumeister

Dr. Walther Baumeister

Der Augenarzt Dr. Walther Baumeister (1924-2003) hat über drei Jahrzehnte in fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem Landkreis Osterholz und mit großer Unterstützung der Bevölkerung das Norddeutsche Vogelmuseum konzeptionell und gestalterisch mit großem Engagement aufgebaut. Seine umfangreiche Vogelsammlung wurde der Kulturstiftung des Landkreises Osterholz durch die Familie Baumeister als dauernde Leihgabe zur Verfügung gestellt, damit sein Lebenswerk erhalten bleibt.

Schon im Elternhaus bekam Walther Baumeister das Interesse an Botanik und Zoologie und deren Zusammenhängen – an dem, was heute Ökologie heißt – vermittelt und vorgelebt. Sein Vater war Oberbaurat in Berlin, Jäger, Angler und Ornithologe.

Bereits als Student der Medizin und Augenheilkunde an der Universität Göttingen begann Walther Baumeister präparierte Vögel zu sammeln, soweit das Budget dies zuließ. Er war häufiger Besucher und bald auch Vertrauter der Fachleute in den Werkstätten des zoologischen Institutes der Universität Göttingen.

Seine künstlerischen Ambitionen, zeichnen und malen, zeigten einen sicheren Blick für Gestalt und Proportionen. Dieser machte ihn zum anspruchsvollen Kunden für den zoologischen Präparator und zum kompetenten Partner beim Bau von Dioramen. Dem verbindlichen Wesen und seiner naturkundlichen Leidenschaft ist es zuzuschreiben, dass sich im Laufe der Jahre ein umfangreiches Netzwerk von Naturkundlern, Naturschutzfachleuten, Jägern, Ornithologen, Museumstechnikern und vielen Freunden und Gönnern entwickelte.

Dr. Walther Baumeister war im weiten Umkreis seines Wohn- und Wirkungsortes Osterholz-Scharmbeck selbstverständlicher Anlaufpunkt für Vogelfunde aber auch vieler anderer naturkundlicher Objekte bis hin zum Hornissennest. Mit unerschöpflicher Energie verfolgte er das Ziel, ein Vogelmuseum einzurichten. Es gelang ihm, in der Kreisverwaltung den damaligen Fremdenverkehrs- und Kulturreferenten Klaus v. Düring von seiner Idee zu begeistern. Mit Unterstützung des Kreistages im Jahr 1973 wurden zunächst Ausstellungsräume im sogenannten Findorffhaus unter dem Dach des Heimatmuseums eröffnet. Im Jahr 1989 wurde ein Anbau im ländlichen Stil beschlossen und ausgeführt, der die wachsende Vogelsammlung aufnehmen konnte. Dr. Baumeister baute hierfür ein detailgetreues Modell im Keller seines Hauses. Selbst die eichene Eingangstür zum Vogelmuseum wurde von ihm entworfen.

Ob Tischler, Glaser, Maler, Präparatoren oder sonstige Fachleute – sie wurden zu Partnern gemacht und es wurde von ihnen ebenfalls voller Einsatz erwartet. Alle Beteiligten hatten das Gefühl, Teil eines Zuges zu sein, der von einer D-Zug-Lokomotive gezogen wurde.

Als eines Tages ein tödlich verunglückter Großtrappenhahn von einem Zoo per Bahn versandt wurde und es dabei Verzögerungen gab, rief Dr. Baumeister alle großen Bahnhöfe entlang der Strecke an und wer zurückfragte, was eine Großtrappe sei, wurde sofort gründlich darüber informiert. Die Großtrappe wurde natürlich rechtzeitig gefunden.

Für das Teufelsmoor-Hamme-Diorama wurden große Mengen Material – Schilf, Grasbüschel, Heidekraut, alte verwitterte Zaunpfähle mit Stacheldraht, Schilf und alles nötige – von einem Stab hochmotivierter Helfer gesammelt und angefahren. Man kann sich ausmalen, wie sich die Materialbeschaffung für das Wattenmeerdiorama gestaltete.

Seine Frau, Eva Baumeister, unterstützte ihn bei all seinen Vorhaben. Wegen ihres sicheren Urteils, auch in gestalterischen Fragen, wurde sie stets in alle Planungen einbezogen. Durch ihre entscheidungsfreudige Art gab sie oft genug nach langwierigen Überlegungen den endgültigen Ausschlag.

Die Tochter, Dr. med- Marla Baumeister, der Sohn, Dr. jur. Hubertus Baumeister, sowie die langjährigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Weggefährten, die Freunde und Förderer des Vogelmuseums fühlen sich diesem mit Elan und Kompetenz geschaffenen Lebenswerk der Eheleute Baumeister verpflichtet, um das Vogelmuseum auch in Zukunft zu pflegen und weiterzuentwickeln – zur Freude und Information vieler Besucher.

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