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Amsel
Turdus merula

Amsel

Die Amsel – so scheint es – ist der häufigste und damit auch bekannteste Vogel der Menschen in Mitteleuropa. Früher ein reiner Waldvogel, hat er sich im Laufe der Zeit hervorragend an die städtische Park- und Gartenkultur der Menschen angepasst.

Amseln gelten als besonders musikalisch: An- und abschwellende Folgen von Drei- oder Vierklangmotiven und ganze Liedfolgen werden vorgetragen. Am auffälligsten ist der laute Reviergesang der schwarzgefärbten Männchen. Er beginnt mit flötenden Tönen, wechselt zu melodischen Strophen und endet mit einem komplexen, für das menschliche Ohr kaum ganz zu erfassenden „Anhängsel“. Der Mittelteil enthält dabei häufig kurze Imitationen anderer Vogelarten. So sind unter anderen Meisen-, Stieglitz-, Schwarzspecht- oder Grünlingslaute nachgewiesen. Jedes Männchen beginnt sein Lied etwas anders und reagiert mit seinem Gesang oft auf einen Kontrahenten in der Nähe. Gerne singen sie auf einem erhöhten Standort – wie auf einer Bühne. (tw)

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Bekassine
Gallinago gallinago

Bekassine

„Ätsch“ – so übersetzen Vogelkenner den Ruf der Bekassine, einer taubengroßen Schnepfenart, die früher einmal sehr häufig war in den hiesigen Sumpf- und Wiesengebieten. Ihren wirklich „eigenen Sound“ erzeugt sie aber nur mit ihren Schwanzfedern: Wenn sie bei den Sturzflügen der Bekassine ins Schwingen geraten, klingt es wie das Meckern einer Ziege – deshalb ihr ungewöhnlicher Spitzname „Himmelsziege“. Es ist hier im Tonbeispiel festgehalten.

Der auffallend lange und spitze Schnabel ist aber die eigentliche Attraktion: Beim Stochern im Schlamm kann die Bekassine Würmer und Larven mit dem Schnabel im Boden ertasten und diese sogar mit geschlossenem Schnabel fressen, weil sie die Schnabelspitze abspreizen kann. So braucht sie ihre Nahrung vor dem Essen nicht zu sehen, und kann sich ganz auf mögliche Gefahren am Boden konzentrieren. Leider wurde der Bekassine auf andere Weise zugesetzt: Sie verlor den Großteil ihres Lebensraums durch Entwässerung, Flussbegradigungen und Anheben des Grundwasserspiegels. (tw)

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Dompfaff
Pyrrhula pyrrhula

Gimpel

Der Dompfaff ist eine in Gärten, Parks und Wäldern noch sehr häufig anzutreffender Finkenart. Mit seiner signalrot gefärbten Brust ist das Männchen leicht zu entdecken. Die Weibchen sind dagegen, wie so oft bei Vögeln, deutlich unauffälliger gefärbt. Die Vögel ernähren sich von Samen, Wildkräutern, Beeren und Insekten. Seine Vorliebe aber gilt den Knospen von Obstbäumen und damit macht sich der Dompfaff regelmäßig die Gärtner zum Feind.

Dompfaffe können im Winter in ihrem Brutgebiet bleiben, können aber auch ihren Standort wechseln und in etwas mildere Regionen ziehen, z.B. nach Westeuropa oder vom kalten Land in die wärmeren Städte. Richtige Zugvögel sind Dompfaffe aber nicht. (tw)

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Eichelhäher
Garrulus glandarius

Eichelhaeher

Pech für den Jäger, wenn er auf der Pirsch vom Eichelhäher entdeckt wird: Ihr kreischend lautes „Ratschen“ signalisiert allen Tieren sofort, das eine mögliche Gefahr droht. Sie werden deshalb auch „Wächter des Waldes“ genannt. Aber auch in anderer Weise nützen sie dem Wald: Sie essen Schädlinge und Baumfrüchte wie Eicheln oder Bucheckern und legen kleine Depots von ihnen im Boden an – daher ihr Name. Weil sie aber manche ihrer vielen Essenslager einfach im Boden vergessen und diese beginnen zu keimen und schließlich zu neuen Bäumen auswachsen, sorgen die Eichelhäher wie nebenbei auch für die Ausbreitung des Waldes.

Außerhalb des Waldes ist er auch oft in Gärten oder Parks zu Hause, wo er über Jahre feste Partnerschaften mit festen Territorien pflegt. Und trotz einiger Vorlieben ist er ein Allesfresser, dessen Speiseplan von Obst und Getreide bis zu Fischen, Reptilien, Aas sowie zu Eiern und Nestjungen anderer Vogelarten umfasst. Und auch, wenn man ihn kaum überhören kann: Sehen tut man einen Eichelhäher selten – er gilt als sehr scheu. (tw)

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Fasan
Phasianus colchicus

Fasan

Bekannt ist uns der Fasan eher als der prächtige Gockel mit seinen langen Schwanzfedern und dem langsam stolzierenden Gang – das Weibchen ist kleiner, bescheidener gefärbt und hat kurze Schwanzfedern. Fasane gelten bis heute als Delikatesse und werden nach wie vor bejagt. Und aus diesem Grund haben die Römer ihn bereits vor 2000 Jahren in Mitteleuropa eingeführt – sie wollten auf ihr Fasanenfleisch nicht verzichten.

In der freier Wildbahn aber konnten sich die Hühnervögel hier zunächst nicht behaupten und wurden bald nur noch in „Fasanerien“ an königlichen Höfen gehalten. Ab dem 18. Jahrhundert gelang eine weitgehende „Einbürgerung“ in die Natur, die mit Jagdverboten unterstützt wurde. Der Fasan heute ist hervorragend an die landwirtschaftliche Kultur angepasst: Er braucht Wiese, Wald und Wasser sowie Weizen als Nahrung und so sieht man den Bodenbrüter oft auf Feldern. Pro Jahr werden in Deutschland regelmäßig 350.000 Fasane geschossen, ohne das der Bestand bedroht ist. (tw)

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Graugans
Anser anser

Graugans

Die Graugans ist der wilde Vorfahre der domestizierten Hausgans und immer noch die zweitgrößte Gänseart Europas. In großen V-förmigen Formationen fliegen sie zum überwintern jedes Jahr laut krächzend von ihren Brutgebieten in Nord- und Mitteleuropa Richtung Spanien und Nordafrika. Durch das wärmere Klima der letzten Zeit bleiben jedoch immer mehr Vögel in gemäßigten Breiten. Graugänse erkennen sich an ihrem Ruf wieder und so schnattern sie pausenlos – z.B. wenn sich Elternvögel und Küken in einem großen Graugansschwarm gegenseitig suchen.

Zwei Nobelpreisträger machten die Graugans als soziales Tier weltberühmt: Selma Lagerlöf mit ihrem Kinderbuch „Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen“ sowie der Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit seinen faszinierenden Studien. (tw)

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Graureiher
Ardea cinerea

Graureiher

Stocksteif steht er am Ufer von Teichen und Seen, harrt unbemerkt aus oder schleicht staksend durchs flache Wasser. Wenn er Beute erspäht, stößt der storchenähnliche Vogel mit seinem langen, spitzen Schnabel jäh zu. Am Wasser erbeutet er Fische, Frösche, Lurche oder Insekten. Auf Wiesen greift er sich gerne Mäuse oder auch Eier und Junge anderer Vögel. Er lebt auch oft in Städten und ist ein gefürchteter Gast an Gartenteichen.

Im Flug bewegt sich der 90 cm große und 170 cm Spannweite messende Vogel mit langsamen Flügelschlägen und seltsam eingeknicktem Hals. Zur Fischjagd sieht man ihn oft auch in dieser Haltung flach auf Wasserflächen aufsetzen und wiederauffliegen. Der Graureiher brütet in Kolonien bis zu 100 Vögeln und ist in Norddeutschland noch recht zahlreich. (tw)

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Haussperling
Passer domesticus

Haussperling

Der Haussperling oder Spatz ist einer der häufigsten Singvögel und fast überall auf der Welt anzutreffen. An die Nähe des Menschen ist er schon seit ca. 10.000 Jahren gewohnt und lebt mit und von menschlichem Dasein. Die Männchen sind deutlich kontrastreicher gefärbt als die graubraunen Weibchen. Ihre Flügel können bis zu 13 mal in der Sekunde auf- und abschwingen, so dass sie zu „schwirren“ scheinen. Das „Tschilpen“, der laute Ruf der Sperlinge, ist ganzjährig in den Städten zu hören. Ihr vielseitiger und lebhafter Gesang geht aber noch weit darüber hinaus und beinhaltet Warnrufe oder Gesangskopien ander Vogelarten – sogar Gesangskünstler wie Kanarienvögel können sie imitieren.

Sperlinge ernähren sich von Körnern und Samen und füttern ihre Jungen mit Insekten. In Städten werden sie allerdings zu Allesfressen, wobei sie die Scheu vor Menschen nahezu verlieren. (tw)

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Kiebitz
Vanellus vanellus

Kiebitz

Der Kiebitz ist in Mitteleuropa und Asien ein charakteristischer Vogel für flache Weiden- und Wiesenlandschaften. Der „Wappenvogel“ des Norddeutschen Vogelmuseums läßt sich an seinem schwarz-weißen Federkleid und dem auffälligen Federschopf in der freien Natur leicht ausmachen. Mit seinem „Kie-vit“-Ruf verrät er jedem seinen Namen.

Die Mehrzahl unserer heimischen Kiebitze zieht im Winter bis zu 2000 km weit in westliche oder südwestliche Richtung bis Irland oder Portugal. In milden Wintern verbleiben aber auch einige Kiebitzgruppen hier. Nach der Rückkehr im Februar/März beginnt die Paarungszeit und schon Ende März findet man die ersten Bodennester mit meist vier braungesprenkelten Eiern vor. Im 18. Jahrhundert waren Kiebitzeier eine Delikatesse an herrschaftlichen Tafeln und wurden deshalb eifrig gesammelt – heute aus Naturschutzgründen undenkbar: Die Zahl der brütenden Kiebitze geht in Europa stark zurück. (tw)

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Kranich
Grus grus

Kranich

Kraniche bewohnen Sumpf- und Moorlandschaften des östlichen und nördlichen Europa. Auch in der Hammeniederung brüten einige Paare. Ihre Schönheit und ihre fast ekstatischen Balztänze haben schon die Völker des Altertums bewundert – bei den Griechen galten sie als Vögel des Glücks, die Asiaten verehren sie als Vögel der Langlebigkeit und der Weisheit. Ihre Beliebtheit brachte den Kranichen schließlich auch den Ehrenplatz auf dem Heckflügel der Lufthansa-Flugzeuge ein.

Die bis zu 130 cm Länge und die Spannweite von bis zu 240 cm machen Kraniche zu einer imposanten Erscheinung. Sie sind ausdauernde Flieger und erreichen mit bis zu 2000 km langen Non-Stop-Flügen ihre Winterquartiere in Spanien, Arabien und Afrika. Ihr Zug ist ein eindrucksvolles und lautes Ereignis: Manchmal versammeln sich bis zu 40.000 Vögel bevor sie nach und nach in kleineren Formationen weiterziehen. Ihr unüberhörbares, trompetenartiges „Gruh-Gruh“-Rufen dient dann zur „Flugüberwachung“. (tw)

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