Visual

Nachtigall
Luscinia megarhynchos

Nachtigall

Rein optisch ist die Nachtigall eher unauffällig. Der braune, etwa spatzengroße Vogel versteckt sich daher wohl auch oft im Gebüsch und lässt sich ungern sehen. Die Stimme aber hat es in sich: Die Nachtigall ist die unbestrittene Gesangskönigin unserer Breiten und wurde daher immer schon tief verehrt. Im Käfig eingesperrt, sollte sie mit ihrem Gesang sogar todkranke Menschen heilen. Sie beherrscht bis zu 260 unterschiedliche Strophen und ist damit enorm vielseitig. Die Lieder der „Nachtsängerin“ sind häufig regional sehr verschieden – sie singt in Dialekten.

Nachtigallen leben in Laubwäldern, Dickichten oder kleinen Gehölzen. Als Zugvögel sind sie in Europa, Nordafrika und Asien heimisch. Um sich mit Insekten zu versorgen, nistet die Bodenbrüterin gerne in Wassernähe und dort, wo raschelndes Laub den Feind schnell verrät. Der Bestand der Nachtigall geht in Deutschland aber leider immer weiter zurück. (tw)

zum Seitenanfang

Rebhuhn
Perdix perdix

Rebhuhn

Das Rebhuhn ist in flachen Landstrichen Mitteleuropas einer der häufigsten Hühnervögel. Wie die meisten Vögel dieser Gattung brütet auch das Rebhuhn am Boden und dafür ist ihr braungeschecktes Gefieder eine gute Tarnung. Sie brütet so oft unbemerkt ihre bis zu 25 Eier am Boden aus, bis sie plötzlich laut polternd auffliegt, wenn sie dabei gestört wird. Damit verschreckt sie potentielle Feinde und nicht selten auch ahnungslose Spaziergänger.

Rebhühner bleiben ihrer nahen Umgebung sehr treu und leben mit ihren Jungen ein Jahr lang im Familienzusammenhang – bis zur erneuten Partnersuche und Brut. Durch die maschinelle Landwirtschaft und die wachsende Zahl der Greifvögel nimmt der Bestand weiter ab. (tw)

zum Seitenanfang

Rotkehlchen
Erithacus rubecula

Rotkehlchen

Das Rotkehlchen ist wie der Dompfaff ein auffällig gefärbter Singvogel. An seiner leuchtend-orangen Brust und Kehle erkennt man es häufig in Wäldern, Gärten und Parks. Von Ästen aus sitzend, fängt es Insekten oder sucht den Boden nach Samen und Beeren ab. Seine napfförmigen Bodennester werden ausschließlich vom Weibchen gebaut und bekommen leider sehr oft Besuch von Nesträubern wie Elstern, Füchse, Marder oder Ratten. Der Kuckuck legt oft seine Eier in das Nest hinein, um sie vom Rotkehlchen ausbrüten zu lassen.

Das alles hindert den kleinen Vogel aber nicht am lauten Gesang: Vor allem die Männchen singen Tag und Nacht und das nicht nur im Frühling. Normalerweise aber beginnen sie eine Stunde vor Sonnenaufgang und hören eine Stunde nach Sonnenuntergang auf. (tw)

zum Seitenanfang

Schleiereule
Tyto alba

Schleiereule

Diese 85 cm große Eulenart erkennt man an ihrem hellen „Gesichtsschleier“, der wie eine herzförmige Maske aussieht. Schleiereulen leben auf allen Kontinenten mit Ausnahme der kalten Regionen, Wüsten, der Hochgebirge und tropischen Regenwälder. Während ihrer Ruhezeit am Tage verharren sie gut versteckt in Scheunen, Baumhöhlen oder Felsspalten und verlassen ihr Revier auch in strengen Wintern nicht. In der Dämmerung aber erweist sie sich als geschickter Jäger von Kleinsäugetieren, Reptilien und Vögeln aller Art. Geräuschlos gleitet sie nahe über dem Erdboden, lässt sich plötzlich herabfallen und ergreift die Beute mit ihren scharfen Krallen.

Ihnen selbst wird hierzulande aber der Mensch immer gefährlicher: Die Verstädterung der Landschaft und die industrielle Landwirtschaft vernichten ihren Lebensraum und reduzieren das Nahrungsangebot. Oft wird nun z.B. mit Nisthilfen versucht, Bestände stabil zu halten oder neue anzusiedeln – teilweise mit Erfolg. (tw)

zum Seitenanfang

Star
Sturnus vulgaris

Star

Durch Einbürgerungen in andere Kontinente ist der Star einer der häufigsten Vögel der Welt. In Mitteleuropa ist er Teilzieher, d.h. er wandert je nach Standort in die milderen Gegenden Europas oder nach Nordafrika, bleibt aber vor Ort, wenn er dort überleben kann – z.B. auf Mülldeponien oder durch die Winterfütterung der Menschen. Traditionell ist er aber immer noch der erste Frühlingsbote, der aus dem Süden heimkehrt.

Stare sind begnadete Sänger und Imitatoren: Sie imitieren nicht nur perfekt viele andere Vögel sondern sogar Telefone oder menschliches Pfeifen. Aufrecht sitzend und aus voller Kehle wird dann geschnurrt, gepfiffen, geträllert, gequietscht, gegurgelt, geschmettert und geflötet, was die kleinen Lungen hergeben. Die nötige Energie erzeugt offenbar großen Hunger: Das Einfallen einer Schar Stare gleicht einem Massengelage. Der Fast-Allesfresser macht vor keinem Versuch Halt, an Nahrung zu kommen – weidenden Rindern liest er sogar die Zecken aus dem Fell. (tw)

zum Seitenanfang

Stieglitz oder Distelfink
Carduelis carduelis

Stieglitz

Diese vielfarbig gefiederte Finkenart ist in ihrem Bestand nicht bedroht. Je weiter man nach Süden kommt, desto häufiger trifft man den Vogel in Europa an. Mit Vorliebe bewohnt er hierzulande Gärten, Obstwiesen oder baumreiche Landschaften und ernährt sich dort von Insekten und Samen, wobei er Distelsamen bevorzugt. Weil er an die Samen auf Sonnenblumen oder Disteln gelangen muß, ist er ein geschickter Kletterer und hat einen langen Schnabel. Der nach seiner Lieblingsspeise auch Distelfink genannte Vogel lebt gerne in der Gesellschaft dieser stacheligen Pflanzen, die aber nur gedeihen, wenn auf Unkrautvernichtung verzichtet wird.

Das kunstvolle Nest des Stieglitz sitzt gut versteckt hoch in den Astgabeln der Bäume. Während das Weibchen ca. 12 Tage brütet, wird es vom Männchen gefüttert, indem es vorgekaute Nahrung in ihren Schlund würgt. (tw)

zum Seitenanfang

Storch
Sturnus vulgaris

Storch

Weißstorche gelten seit jeher als Freund des Menschen. Seine Horste auf Dächern und Kaminen sollen Glück bringen und er selbst sogar Babys. Nur durch unzählige Schutzmaßnahmen und Nesthilfen der vielen Storchenfreunde konnte sich der stark bedrohte Weißstorchbestand in Deutschland wieder etwas erholen. Auch in der Osterholzer Umgebung ist man stolz auf die aus Afrika heimkehrenden Storche, die jahrelang zum gleichen Horst zurückkehren. Die Gefahren sind aber auf den bis zu 10.000 km weiten Landwegen so groß, dass viele Storche buchstäblich „auf der Strecke bleiben“ – so fallen viele Storche außerhalb Deutschlands noch Hochspannungsleitungen zum Opfer. Natürliche Feinde hat der Storch nicht.

Da die Stimme des Weißstorchs nur schwach ausgeprägt ist, verständigt er sich durch Klappern mit dem Schnabel. Deshalb wird er auch Klapperstorch genannt. Geklappert wird zur Begrüßung des Partners am Nest und zur Verteidigung gegen Nestkonkurrenten. Diese können dank der spitzen Schnäbel sehr heftig ausfallen. Eng mit der Erforschung dieser Vögel verbunden ist die Vogelwarte Rossitten, der im Keller des Vogelmuseums eine Vitrine gewidmet ist. (tw)

zum Seitenanfang

Waldkauz
Carduelis carduelis

Waldkauz

Vor den nächtlichen „huuu-hu-hu-huuu“-Rufen des Waldkauzes haben sich früher die Menschen gefürchtet, denn es hieß, wenn ein Käuzchen ruft, stirbt ein Mensch. Heute vermutet man, dass die Käuze nur durch das späte Licht, das aus den Häusern Todkranker fiel, angelockt wurden und ihr Ruf die düstere Phantasie der wachenden Angehörigen beflügelte.

Die kleine Eulenart ist ein vielseitiger Nachtjäger. Der Waldkauz beherrscht die Ansitz-, Flug- und Bodenjagd und erbeutet ein ebenso großes Spektrum an Tieren: Fische wie Frösche, Regenwürmer wie Vögel, Fledermäuse und Mäuse wie Käfer. Ebenso vielseitig ist der Lebensraum des etwa 40 cm großen Tausendsassas: In Laubwäldern, Parks sowie in Gärten nistet er in Gebäuden und Höhlen jeder Art. Seinen Kopf kann er um fast 3/4 herumdrehen, was ihm beim Jagen enorm hilft. Der Waldkauz ist heute die häufigste Eulenart in Mitteleuropa und nimmt in seinem Bestand sogar noch zu. (tw)

zum Seitenanfang

Waldschnepfe
Scolopax rusticola

Waldschnepfe

Eine Waldschnepfe zu entdecken, ist äußerst schwer: Zunächst hat sie eine hervorragende Tarnfarbe und fällt als Bodenbrüter im Waldlaub kaum auf. Zudem ist der Flug des dämmerungsaktiven Waldvogels nahezu geräuschlos und letzten Endes ist diese Art in unseren Breiten sehr selten geworden. Das augenfälligste Detail ist der lange, spitze Schnabel, mit dem der Vogel im Boden nach Regenwürmern stochert. Er sticht dabei ein Loch in den Boden und trippelt mit den Füßen herum, in der Hoffnung die Regenwürmer zu dem Loch zu treiben um sie herauszuziehen. Waldschnepfen ernähren sich aber auch von Insekten, von Schnecken, Keimlingen und Beeren.

Die Aufzucht der Jungen ist allein der Mutter überlassen, der Vater sucht nach der Paarung das Weite. Dafür ist sie eine vorbildlich sorgende Hüterin, bleibt beim Brüten fast unbeweglich und verläßt kaum das Gelege. Bei Gefahr trägt sie ihre Jungen mit dem Schnabel fort. Eine gute Hilfe gegen Feinde ist die ungewöhnliche Stellung ihrer Augen, die fast einen Rundumblick ermöglichen. (tw)

zum Seitenanfang

Zaunkönig
Troglodytes troglodytes

Zaunkoenig

Der Gesang des Zaunkönigs rettet ihn vor dem Erfrieren! Denn der winzige Singvogel ist gegen Kälte schlecht geschützt und pfeift daher seine Artgenossen herbei, um in kalten Winternächten zusammenzurücken und sich im Schlaf zu wärmen. Wegen seiner kurzen Flügel und seines kurzen Schwanzes gilt der Zaunkönig als schlechter Flieger, aber es wird ihm Schlauheit nachgesagt: So bewegt er sich wie eine Maus schlüpfrig-schnell durchs Gebüsch und findet in Ritzen und Löchern alle möglichen Arten und Stadien von Insekten, von denen er kaum eine verschmäht. Selbst kleine Fische und Kaulquappen kann der Winzling erbeuten. Katzen und Eichhörnchen verscheucht er mit einem zischenden Geräusch. Ansonsten pflegt er einen einfallsreichen und für seine Körpergröße ungewöhnlich lauten Gesang, der noch einen halben Kilometer weit hörbar ist – zur Brutzeit auch gern im Duett mit seiner Zaunkönigin.

Dieser bietet das Männchen übrigens eine Reihe von Nestern an, von denen eines dann liebevoll zum Brüten ausgepolstert wird. Auch die Pflege der winzigen Kugelnester ist vorbildlich, denn das Weibchen pickt ihren Jungen den Kot vom Hinterteil und fliegt ihn fort. (tw)

zum Seitenanfang