Visual

Fragen und Antworten aus der Welt der Vögel

Wie erzeugen die Vögel ihren Gesang? Können sich Vögel verständigen? Warum können manche Vogelarten Stimmen imitieren? Diese und andere häufige Fragen sollen hier beantwortet werden.

Noch Fragen offen? Dann mailen oder schreiben Sie uns an: Auf der Seite Kontakt finden sie ein Kontaktformular und auch die Postadressen. Wir versuchen, bis zur nächsten Aktualisierung, eine kurze Antwort zu finden und hier – ohne Namensnennung – bekanntzugeben.

Wie und warum singen Vögel?

Blaukehlchen

Die verschiedenen Lautäußerungen werden, ähnlich wie beim Menschen, im Kehlkopf erzeugt, der bei Vögeln aber Syrinx heißt. An der Aufspaltung der Luftwege in die zwei Lungenflügel gelegen, setzt die Syrinx durch schnelle Muskelanspannungen verschiedene Membrane (=dünne Häutchen) in Schwingungen, die dann als unterschiedliche Töne wahrzunehmen sind.

Die Zusammensetzung der Stimmköpfe entscheidet in der Gesamtheit über Art und Vielfalt des Gesangs und so kann man jeden Vogel an seiner Stimme erkennen, ohne ihn zu sehen. Eine Reihe von Vögeln ist sogar in der Lage, ihre Membrane in der Syrinx unabhängig voneinander zu betätigen und dadurch zweistimmige Gesänge zu erzeugen.

Der Gesang dient den Vögeln zum Anlocken des Partners und zur Reviermarkierung – je lauter und einfallsreicher der Gesang, desto mehr setzten sich die Tiere in ihrem „Sozialverhalte“ durch. Der Gesang ist also schon eine Art Verständigung, obwohl jede Vogelart seine eigene Sprache spricht.

Oft ist der Gesang in mehrere Strophen gegliedert und so komplex, das er selbst für menschliche Ohren kaum noch nachvollziehbar erscheint, z.B bei der Nachtigall. Vögel erlernen ihren Gesang vom Zuhören und Imitieren ihrer Artgenossen. Manche Vögel wie Amseln imitieren aber auch immer wieder andere Vogelstimmen oder Umweltgeräusche wie z.B. Telefonklingeln, wahrscheinlich um sich besonders in Szene zu setzen. Es gibt Vögel, dessen Stimme schwächer ausgebildet ist. Daher lassen sie sich andere Methoden einfallen um sich Gehör zu verschaffen: Störche klappern mit dem Schnabel, Blässhühner stampfen mit den Füßen, die Ringeltaube läßt ihre Flugfedern schwingen und der Specht klopft auf Bäume. (tw)

Warum ziehen manche Vögel im Winter so weit fort,
während andere einfach hierbleiben?

Warum ziehen manche Vögel im Winter so weit fort, während andere einfach hierbleiben?

Der Vogelzug ist eine „klimatische Ausgleichsmaßnahme“ der Natur: Zugvögel brauchen ein milderes Winterklima, das ihr Überleben sichert. Dabei sind die Bedürfnisse der Vögel je nach Ernährungsgewohnheit unterschiedlich: Für Vögel aus dem im Winter sehr kalten Nord- und Osteuropa liegt u.a. die deutsche Nordseeküste im milderen Klima. Hier ist der Boden nicht ständig hartgefroren und die Gewässer sind nicht alle vereist. Für insektenfressende Vögel aus Norddeutschland, z.B. Singvögel, bedeutet der Winter hierzulande ein Mangel an Insekten, so dass sie in den Süden ziehen müssen. Dort treffen sie aber zu Tausenden auf „Fress-Konkurrenten“, so dass sie dort nur überwintern, ihre Brut aber wieder bei uns im Norden aufziehen.

Der Drang zum Ziehen ist den Vogelarten angeboren. Aussentemperatur und Hormone bestimmen, wann der Zeitpunkt zum Ziehen gekommen ist. Die Vögel versammeln sich dann an bestimmten Stellen, um in kleineren Gruppen oder ganzen Schwärmen, wie die der Alpenstrandläufer, zu starten. Zugvögel können sich am Sternenhimmel orientieren, sie nutzen den Stand der Sonne oder können, dank spezieller Magnetfeldrezeptoren im Auge, wie mit einem inneren Kompass navigieren. Auch Landmarken sollen angeblich der Orientierung dienen, zum Beispiel der Verlauf von Autobahnen und die Beleuchtung von Großstädten.

Die meisten mitteleuropäischen Vögel sind Teilzieher, d.h. nur ein Teil dieser Vogelart zieht in den Süden, viele andere bleiben hier. Einige Zugvögel ziehen nur bis zur nächstgelegenen Küste oder gar Großstadt, andere ziehen extrem lange Wege. Dazu gehört der Storch, der aber nur über Land fliegen kann, weil es über dem Wasser keine Thermik (Aufwind) gibt, die seinen Segelflug ermöglicht. So muss er das Mittelmeer auf dem Weg nach West- oder Südafrika umfliegen. Die Küstenseeschwalbe pendelt jedes Jahr fast zwischen Nord- und Südpol hin und her, damit sie die langen Polarsommertage zur Insektenjagd voll ausnutzen kann. Der Mauersegler schließlich hält sich kaum am Boden auf – er trinkt, frisst und schläft in der Luft, damit er seinen 10.000 km langen Zugweg in Tagesetappen von bis zu 200 km bewältigen kann.

Der Klimawandel bringt in letzter Zeit das Zugverhalten vieler Vögel durcheinander: Immer mehr Zugvögel bleiben im Winter in Mitteleuropa, manche Stare ziehen sogar nordwärts in größere Städte, wo sie ganzjährig Futter finden. Klima und Nahrungsangebot sind nie konstant gewesen – ob und wie sich die Vögel auch weiterhin anpassen können, wird sich zeigen.